Was ist GetMyInvoices?
GetMyInvoices ist ein Beleg-Aggregator aus Kassel, betrieben von der fino data services GmbH (Amtsgericht Kassel, HRB 17436, Geschäftsführer Florian Christ und Björn Kahle). Das Tool ist Teil der fino group, einer inhabergeführten Unternehmensgruppe mit rund 10 Gesellschaften und über 150 Mitarbeitenden an den Standorten Kassel, Lübeck, Köln und Erfurt. Die fino group ist ohne Fremdfinanzierung gewachsen und hält eine eigene BaFin-Lizenz als Kontoinformationsdienstleister (AISP). Wichtige Klarstellung: Die finAPI GmbH aus München ist nicht Teil der fino group, die beiden Unternehmen werden in der Praxis häufig verwechselt.
Die Kernfunktion ist die automatische Belegabholung aus über 10.000 Online-Portalen (Anbieterangabe, nicht extern auditiert), E-Mail-Postfächern (IMAP, Gmail, Outlook 365) und Cloud-Speichern. Die KI-OCR per fino-eigenem Modul fintract liest Belegdaten aus und übergibt sie an DATEV Unternehmen Online (Belegbilderservice plus Rechnungsdatenservice 1.0), sevdesk, Lexware Office, ADDISON und über 100 weitere Zielsysteme. Seit November 2017 ist GetMyInvoices offizieller DATEV-Marktplatz-Partner.
Für wen ist GetMyInvoices geeignet?
Hauptzielgruppe sind deutsche Kanzleien mit DATEV- oder ADDISON-Anbindung, idealerweise ab 5 bis 10 aktiven Mandanten zur Amortisation der 499 €/Monat-Kanzleilizenz. Besonders sinnvoll, wenn der Mandantenstamm einen hohen Anteil an SaaS-, E-Commerce- oder Marketing-Mandanten hat, also Branchen mit vielen Online-Belegen. Auch für E-Commerce-Händler ohne Kanzleibezug ist GetMyInvoices attraktiv, weil das Tool Belege aus Amazon, Stripe, PayPal, Microsoft, Google und vielen weiteren Anbietern selbstständig einsammelt.
Eingeschränkt geeignet ist GetMyInvoices für:
- AT-Kanzleien mit BMD oder RZL, weil keine nativen Schnittstellen existieren
- Kanzleien, die echte KI-Vorkontierung mit Splitbuchungen brauchen (dort sind Finmatics oder Candis stärker)
- Kleinstunternehmer mit unter 20 Belegen pro Monat (das Tool entfaltet seine Stärke erst bei Belegvolumen)
KI-Funktionen im Detail
Automatische Belegabholung
Wöchentlicher Scan über die hinterlegten Portale, bei hochfrequenten Lieferanten adaptiv häufiger. Login erfolgt über hinterlegte Zugangsdaten, die mehrstufig verschlüsselt gespeichert sind und weder von fino-Mitarbeitenden noch im Klartext einsehbar sind. Für stabilere Logins bei 2FA-pflichtigen Portalen (Amazon, Facebook, Google) steht seit 2025 eine Desktop-App bereit, die als Vermittler zwischen Browser und Cloud-Backend agiert.
KI-OCR (fintract)
Die OCR-Engine fintract erreicht laut Anbieterangabe rund 90 Prozent Erkennungsgenauigkeit auf neuen, unbekannten Rechnungen. Die Texterkennung lernt pro Lieferant, sodass wiederkehrende Belege mit der Zeit nahezu fehlerfrei erkannt werden. Verarbeitet werden klassische PDF-Belege, XRechnung und ZUGFeRD. Eine offizielle Aussage zu eingesetzten LLM-Anbietern (etwa OpenAI, Anthropic, Mistral) ist auf der Website nicht veröffentlicht. Wer dies für die Kanzlei-Compliance braucht, muss es separat als Anhang zum AVV anfordern.
E-Rechnung
GetMyInvoices ist Mitglied im Verband elektronische Rechnung (VeR) und zertifizierter Peppol Service Provider. Vollständige XRechnung- und ZUGFeRD-Unterstützung seit 2025, inklusive Validierung eingehender E-Rechnungen und Erstellung ausgehender Belege im selben Format. Damit ist GetMyInvoices auch für die seit 2025 in Deutschland geltende E-Rechnungspflicht im B2B nutzbar.
Integrationen
Über 100 Schnittstellen stehen bereit. Highlights für Steuerberater: DATEV Unternehmen Online (RDS 1.0, Belegbilderservice), sevdesk, Lexware Office (inklusive eigenem GetMyInvoices Light-Paket), Candis, BuchhaltungsButler, Papierkram, Pennylane, fastbill, Billomat, Sage, ADDISON OneClick. Plus API, Zapier und Make für individuelle Workflows. Die Banken-Anbindung läuft über PSD2 und deckt auch AT-Banken, CardComplete sowie Card Pliant ab.
Workflow-Modul (kostenpflichtig)
Für Freigabeprozesse mit mehreren Genehmigern bietet GetMyInvoices ein optionales Workflow-Modul zwischen 9 und 139 €/Monat an, das in den KMU-Tarifen nicht enthalten ist. Wer komplexe Freigabe-Workflows mit Vier-Augen-Prinzip braucht, sollte stattdessen Candis evaluieren, das diese Funktion nativ integriert hat.
Österreich-Tauglichkeit
Server in Deutschland (AWS Frankfurt) sind DSGVO- und DSG-konform, der AVV wird automatisch geschlossen. Strukturell ist GetMyInvoices damit AT-tauglich. Es gibt jedoch keinen nativen Anschluss an BMD NTCS oder RZL Software. Der offizielle fino-Support verweist im hauseigenen Userforum seit längerem darauf, dass die jeweiligen Schnittstellen auf BMD- bzw. RZL-Seite entwickelt werden müssten, ohne festes Release-Datum bis Mai 2026.
Praxis-Workaround: Export im DATEV-Format aus GetMyInvoices und Import in BMD oder RZL über deren bestehende DATEV-Schnittstelle. AT-Reverse-Charge mit UID wird in der OCR ausgelesen, die Reverse-Charge-Buchungslogik muss aber in der nachgelagerten Buchhaltung erfolgen. Der AT-Vertriebspartner ist digitize.at (Salzburg/Wien).
Für reine BMD- oder RZL-Kanzleien in Österreich sind Finmatics (Wien), domonda (Wien) oder FreeFinance die natürlichere Wahl.
§ 203 StGB und Kanzleieinsatz
Der DSGVO-AVV ersetzt nicht die nach § 203 Abs. 4 StGB in Verbindung mit § 62a StBerG geforderte berufsrechtliche Verschwiegenheitsverpflichtung. fino bietet diese Vereinbarung nicht standardmäßig auf der Website an, sie muss aktiv beim Vertrieb angefordert und in Textform mit Belehrung über strafrechtliche Folgen geschlossen werden. Da Server in Deutschland stehen und ISO 27001 vorliegt, sind die strukturellen Voraussetzungen gegeben.
Für AT-Kanzleien gilt § 80 WTBG 2017 (Verschwiegenheitspflicht). Die Sanktionslage ist primär zivilrechtlich und disziplinarrechtlich (KSW-Aufsicht), strukturell ist der Bedarf an einer zusätzlichen Vereinbarung aber identisch. Vertiefend dazu: /ratgeber/avv-ki-anbieter.
Preise
| Tarif | Preis monatlich | Dokumente/Monat | Portale | User |
|---|---|---|---|---|
| Essential | 19 €/Mo | 20 | 5 | 1 |
| Small | 39 €/Mo | 50 | 10 | 3 |
| Standard | 59 €/Mo | 80 | 25 | 5 |
| Professional (meistgewählt) | 99 €/Mo | 200 | 50 | 5 |
| Advanced | 179 €/Mo | 500 | 100 | 25 |
| Business | ab 499 €/Mo | bis 500 | unbegrenzt | unbegrenzt |
| Kanzleilizenz | ab 499 €/Mo | 10.000/Jahr | unbegrenzt | unbegrenzt |
Zusatzmodule: Workflow-Freigaben 9 bis 139 €/Monat. Priority Care 59 bis 129 €/Monat. Premium Support on demand 59 € pro 30 Min oder 99 € pro 60 Min. Mehrnutzung Kanzleilizenz 0,60 € pro Dokument über 10.000/Jahr (monatlich) bzw. 0,54 € (jährlich).
Rechenbeispiel Kanzlei: KMU-Mandant mit 40 Eingangsrechnungen pro Monat aus 15 Portalen, manuelle Erfassung ca. 120 Min/Monat, mit GetMyInvoices ca. 10 Min/Monat. Bei einem Kanzleisatz von 80 €/Stunde refinanziert sich die Kanzleilizenz à 499 €/Monat ab ca. 4 aktiven Mandanten. Ab 10 Mandanten ist die Lizenz deutlich profitabel.
Datenschutz und Sicherheit
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Anbieter | fino data services GmbH, Kassel (HRB 17436) |
| Serverstandort | Deutschland (AWS Frankfurt) |
| Zertifizierungen | ISO 27001, SOC 1 (SSAE-16), ISAE 3402 |
| AVV nach Art. 28 DSGVO | Automatisch über AGB § 3.1, separater Download auf getmyinvoices.com/de/avv/ |
| Verschlüsselung | AES-256 at rest, TLS in transit |
| Authentifizierung | Mehrstufig verschlüsselte Zugangsdaten, weder Mitarbeiter noch Klartext-Einsicht |
| TOMs öffentlich | Ja, auf getmyinvoices.com/de/tom/ |
| Datenschutzbeauftragter | Extern: BullProtect (NetBull GmbH) |
| GoBD-konform | Ja |
| § 203 StGB im Standard-AVV | Nein, separat anfordern |
| KI-Trainingsverzicht | Auf der Website nicht explizit dokumentiert, im AVV-Anhang klären |
Alternativen im Vergleich
| Tool | Preis ab | Stärke ggü. GetMyInvoices | DSGVO |
|---|---|---|---|
| Candis | 369 €/Monat | Echte Vorkontierungs-KI mit Freigabe-Workflows (Review folgt) | hoch |
| sevdesk | 11,90 €/Monat | Vollständige Cloud-Buchhaltung inkl. Rechnungsstellung | 9,3 |
| Lexware Office | 7,90 €/Monat | Cloud-Buchhaltung mit TÜV-Rheinland-Zertifizierung | 9,5 |
| Finmatics | 750 €/Monat | Trainierbare KI, native BMD/RZL/DATEV (AT) | 9,0 |
Candis ist im FlinKI-Bestand aktuell kein eigenständiges Review. GetMyInvoices und Candis schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich: GetMyInvoices sammelt die Belege, Candis verarbeitet sie mit Freigabe-Workflow.
Fazit
Für deutsche Kanzleien mit DATEV-Anbindung und einem Mandantenmix aus SaaS-, E-Commerce- und KMU-Kunden ist GetMyInvoices das beste Tool seiner Klasse im DACH-Raum. Der Sprung von 5 auf 50 Mandanten erfolgt nahezu ohne zusätzliche Kanzleiarbeit, und die Kanzleilizenz à 499 €/Monat ist bei unbegrenzten Mandanten konkurrenzlos. Wer auf einen sauberen § 203 StGB-Workflow Wert legt, sollte den separaten Geheimhaltungsvertrag aktiv anfordern.
Für reine BMD- und RZL-Kanzleien in Österreich ist Finmatics die natürlichere Wahl, weil die nativen Schnittstellen fehlen. Wer beides will, sammelt mit GetMyInvoices und verarbeitet in Finmatics oder Candis.
Hinweis: Alle Angaben basieren auf eigener Recherche (Stand: Mai 2026). Preise, Funktionen und Datenschutzbedingungen können sich jederzeit ändern. Keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit. Dieser Artikel stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Siehst du einen Fehler? Schreib uns.