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Finch 3D

Spezialist
★★★★☆4.0basierend auf unserem Test
Generatives Design
8.5
Features
8.5
Benutzerfreundlichkeit
6.0
DSGVO
8.0
Preis-Leistung
FlinKI Redaktion · März 2026 · Aktualisiert: April 2026

Was ist Finch 3D?

Finch 3D ist eine cloud-basierte Web-Applikation des schwedischen Startups ArchFinch AB (Malmö), die als generativer Design-Copilot für den architektonischen Entwurf dient. Laut Anbieter werden inzwischen vier Typologien unterstützt: Residential (Mehrfamilien-Wohnungsbau, historischer Schwerpunkt), Office, High-Rise und Master Plan. Das Tool nutzt eine patentierte Kombination aus generativer KI und graphenbasierter Constraint-Engine, um aus einer importierten Gebäudemasse automatisch Geschossplatten, Erschließung und im Enterprise-Tier vollständige Grundrisse inklusive Möblierung zu generieren. Echtzeit-Feedback zu Flächenkennzahlen (GFA, NIA, UFA), Tageslicht, CO₂-Fußabdruck und Compliance macht Finch zum datengetriebenen Werkzeug für die Frühphase.

ArchFinch AB wurde 2019 von den Architekten Pamela Nunez Wallgren (CEO) und Jesper Wallgren (CPO) sowie dem Informatiker Martin Kretz (CTO, ex-Sony) gegründet. Jesper Wallgrens Social-Media-Videos von generativ erzeugten Grundrissen gingen viral und wurden in Financial Times, ArchDaily und Dezeen vorgestellt. Über drei Funding-Runden hat Finch ca. 4 Mio. EUR eingeworben (Investoren: Inventure, Ampli Ventures, Almi Invest). Der Umsatz hat sich 2024 verdreifacht, die Warteliste umfasst über 80.000 AEC-Fachleute in über 40 Ländern.

Abgedeckte HOAI-Leistungsphasen: LP 1 (Grundlagenermittlung, teilweise), LP 2 (Vorplanung, Kernbereich) und LP 3 (Entwurfsplanung, teilweise). Für die Ausführungsplanung (LP 5+) ist Finch nicht geeignet.

Für wen ist Finch 3D geeignet?

Zielgruppe sind Architektur- und Planungsbüros, die in der Frühphase generative Workflows für Wohnungsbau (Mehrfamilienhäuser), Office-Bauten, High-Rise-Projekte oder städtebauliche Master Plans nutzen wollen. Kleine Büros profitieren vom kostenlosen Free-Tier und dem erschwinglichen Basic-Tarif (49 €/Monat). Größere Büros mit Enterprise-Lizenz (14.500 €/Jahr, 3 Seats) erhalten KI-Grundrissgenerierung und können bürospezifische Regeln definieren. Stand 2026 bewirbt Finch im Enterprise-Tier zudem einen „AI agent for automated design workflows".

Referenzkunden: Herzog & de Meuron (Basel), White Arkitekter, Gensler, Aedas, Sweco, Schmidt Hammer Lassen. Im DACH-Raum nutzt se·g architekten (Berlin) das Tool aktiv.

Wichtig: Der historische Schwerpunkt liegt im Wohnungsbau, dort sind die KI-Modelle am ausgereiftesten. Office, High-Rise und Master Plan sind verfügbar, das Featureset entwickelt sich laufend weiter. Die UI ist ausschließlich auf Englisch. Für DACH-Architekten, die Revit oder Rhino ohnehin auf Englisch nutzen, ist das kein Problem. Für rein deutschsprachige Teams kann es eine Hürde sein.

KI-Funktionen im Detail

Generatives Massing und Geschossplatten

Import einer Gebäudemasse aus Rhino, Revit oder Forma. Finch analysiert die Masse automatisch und schlägt Geschossplatten vor. Der "Floor Plate Generator 2.0" (seit September 2024) optimiert die Aufteilung in Wohneinheiten unter Berücksichtigung von Belichtung, Erschließung und Mindestflächen. Hunderte Varianten in Sekunden statt Stunden.

KI-Unit-Mix und Erschließung (Basic+)

Ab dem Basic-Tier generiert Finch automatisch Wohnungsmixe (Studios, 2-Zimmer, 3-Zimmer etc.) mit passender Erschließung (Treppenhäuser, Korridore, Aufzüge). Die "Adaptive Plan Library" (seit Juli 2024) erzeugt aus einem einzigen gespeicherten Grundriss über 1.000 Varianten, die sich automatisch an neue Gebäudegeometrien anpassen.

KI-Grundrissgenerierung (Enterprise)

Das Enterprise-Kernfeature: Finch generiert vollständige Wohnungsgrundrisse inklusive Raumaufteilung und Möblierung. Die patentierte "Finch Graph"-Technologie bildet räumliche Beziehungen als Graph ab. Knoten = Räume, Kanten = Nachbarschafts-/Zugänglichkeitsbeziehungen. Der Graph steuert die KI, damit sie architektonisch sinnvolle Grundrisse erzeugt.

Graph Rules und Graph Studio (Enterprise)

Seit August 2024 können Enterprise-Nutzer eigene Regeln definieren: Mindestflächengrößen, Barrierefreiheitsanforderungen, Mindestbreiten, firmenspezifische Vorgaben. Stufe 1: Die Regeln fließen direkt in die KI-Generierung ein. Stufe 2: Bei manueller Weiterbearbeitung prüft Finch kontinuierlich die Einhaltung der Regeln in Echtzeit (Continuous Compliance Checking).

Echtzeit-Analysen

Dashboard mit Flächenkennzahlen (GFA, GIA, NIA, UFA), Tageslicht-Simulation (inkl. Daylight Facade Control), CO₂-/Carbon-Footprint-Bewertung, Wohnungsverteilung und Compliance-Prüfung. Im Enterprise-Tier zusätzlich ein Scoring-Feature mit Optimierungsempfehlungen.

BIM-Integrationen

Revit: Plugin für Versionen 2023 bis 2026, bidirektionaler Datenfluss (Upload Massing, Download als native .rvt-Datei mit Wänden, Räumen, Flächenplänen, Families und Möblierung). Rhino: Versionen 6 bis 8, kontinuierlicher bidirektionaler Live-Sync. Grasshopper: Bidirektionale Streaming-Komponente (quasi API-Zugang). Autodesk Forma: Extension für den Export von Gebäuden und Kontext. ArchiCAD: Nur indirekt über den Grasshopper-Umweg.

Export: Native Revit (.rvt), 2D/3D nach Rhino, Grasshopper-Daten, CSV (Statistiken), PNG. Kein direkter IFC- oder DWG-Export aus Finch (über Revit/Rhino nachgelagert möglich).

✅ Vorteile
+ Einziges KI-Tool das graphenbasierte Grundrissgenerierung mit tiefer BIM-Integration (Revit, Rhino, Grasshopper) in einem System vereint
+ Kostenloser Einstieg (Free-Tier dauerhaft) und erschwinglicher Basic-Tarif (49 €/Monat) machen generatives Design für kleine Büros zugänglich
+ Echtzeit-Feedback zu Flächen, Tageslicht und CO₂ ermöglicht datengetriebene Entwurfsentscheidungen statt Excel-Tabellen
+ Referenzkunden wie Herzog & de Meuron, Gensler und White Arkitekter belegen die Praxistauglichkeit in internationalen Top-Büros
+ EU-Firmensitz (Schweden) mit direkter DSGVO-Geltung ist klarer Vorteil gegenüber US- oder israelischen Alternativen
⚠️ Nachteile
− UI, Dokumentation und Support ausschließlich auf Englisch, kein deutschsprachiger Support verfügbar
− Grundriss-Typologien basieren auf anglo-amerikanischen Wohnkonzepten, für DACH-Büros teils unpassend (bestätigt durch se·g architekten, Berlin)
− DSGVO-Dokumentation erheblich mangelhaft: Kein AVV, kein DSB benannt, kein Serverstandort dokumentiert, Datenschutzerklärung von April 2021
− Featuretiefe variiert stark nach Typologie: Wohnungsbau am ausgereiftesten, Office/High-Rise/Master Plan noch im Ausbau
− Vollständige KI-Grundrissgenerierung nur im Enterprise-Tier (14.500 €/Jahr), Basic bietet nur Unit-Mix und Erschließung

Preise

Alle Preise netto zzgl. MwSt.

Tarif Preis Generative Features BIM-Integration Support
Free 0 € (dauerhaft) Manuelle Editiertools, Plan Library Alle Plugins Community
Basic 49 €/Monat Unit-Mix, Erschließung, Floor Plate Generator Alle Plugins Standard
Enterprise 14.500 €/Jahr (3 Seats) KI-Grundrisse, Graph Rules, Graph Studio, Scoring Alle Plugins + Custom Premium

Wichtig zum Enterprise-Tier: Stand April 2026 ist der Enterprise-Plan nur noch über eine Waitlist buchbar („by waitlist only"). Interessierte Büros müssen sich über die Website anmelden und werden kontaktiert, sobald neue Slots verfügbar sind. Der Free- und Basic-Tier sind weiterhin direkt verfügbar. 14-Tage-Testphase für den Basic-Tarif. Keine Bildungslizenzen dokumentiert. Keine Mengenrabatte öffentlich kommuniziert.

Im Vergleich: Phase0 (Architekten-Bürosoftware) kostet ab 80 €/Nutzer/Mo. Veras (KI-Visualisierung) ab ca. 134 €/Jahr. Autodesk Forma (Städtebau-KI) ab ca. 185 $/Monat. Finch positioniert sich mit dem Free-Tier als niedrigschwelligster Einstieg in KI-gestütztes generatives Design.

Datenschutz & Sicherheit

ArchFinch AB hat seinen Sitz in Malmö, Schweden. Als EU-Mitgliedstaat gilt die DSGVO direkt und unmittelbar. Die zuständige Aufsichtsbehörde ist die schwedische Integritetsskyddsmyndigheten (IMY). Für Datenübertragungen innerhalb der EU/des EWR sind keine Standardvertragsklauseln erforderlich.

Allerdings gibt es erhebliche Transparenzlücken:

  1. Die Datenschutzerklärung wurde zuletzt im April 2021 aktualisiert und ist damit über vier Jahre alt. Wesentliche DSGVO-Anforderungen (Auftragsverarbeiter-Liste, spezifische Rechtsgrundlagen nach Art. 6, Aufbewahrungsfristen) fehlen.
  2. Ein AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) nach Art. 28 DSGVO ist weder auf der Website verfügbar noch wird er erwähnt.
  3. Der konkrete Serverstandort wird nirgends angegeben. Aus der Karriereseite lässt sich AWS als Cloud-Provider ableiten, die Region (EU oder anderswo) bleibt unklar.
  4. Kein Datenschutzbeauftragter wird namentlich benannt. Keine Sicherheitszertifizierungen (ISO 27001, SOC 2) dokumentiert.
  5. CPO Jesper Wallgren bestätigte in einem AEC-Magazine-Interview: Kundenpläne werden nicht für das allgemeine KI-Training verwendet. Diese Zusage ist aber nicht in den offiziellen Datenschutzdokumenten verankert.
Empfehlung für DACH-Büros: Vor einem Einsatz schriftlich einen AVV, eine Bestätigung des Datenverarbeitungsstandorts (EU/EWR), eine Auftragsverarbeiter-Liste und eine Erklärung zur Nicht-Nutzung von Entwürfen für KI-Training von ArchFinch AB einfordern (info@finch3d.com).

Fazit

Finch 3D ist eines der technologisch am weitesten fortgeschrittenen Tools für KI-gestützte Grundrissplanung. Die patentierte Graph-Technologie, die tiefe BIM-Integration (Revit, Rhino, Grasshopper) und das datengetriebene Echtzeit-Feedback heben es klar von Mitbewerbern wie TestFit, ARCHITEChTURES oder Maket ab. Mit einem dauerhaft kostenlosen Free-Tier und einem Basic-Tarif ab 49 €/Monat ist der Einstieg niedrigschwellig. Inzwischen werden vier Typologien unterstützt: Residential, Office, High-Rise und Master Plan, mit dem ausgereiftesten Featureset weiterhin im Wohnungsbau.

Für DACH-Büros gibt es drei wesentliche Einschränkungen: Die fehlende deutsche Lokalisierung (UI und Support nur auf Englisch), die anglo-amerikanisch geprägten Grundriss-Typologien und die erheblichen DSGVO-Dokumentationslücken. Wer in der Frühphase generative Workflows einsetzen will, Revit oder Rhino nutzt und mit englischsprachigen Tools arbeiten kann, sollte den 14-tägigen Trial testen. Vor dem Einsatz mit sensiblen Projektdaten unbedingt den Datenschutz schriftlich klären.

Hinweis: Alle Angaben basieren auf eigener Recherche (Stand: März 2026). Preise, Funktionen und Datenschutzbedingungen können sich jederzeit ändern. Keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit. Dieser Artikel stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Siehst du einen Fehler? Schreib uns.

Häufige Fragen zu Finch 3D

Was kostet Finch 3D?
Finch 3D bietet drei Tarife: Free (dauerhaft kostenlos, manuelle Bearbeitungstools und Plan Library), Basic (49 €/Monat mit generativer Unit-Mix- und Erschließungsplanung) und Enterprise (14.500 €/Jahr für 3 Seats mit KI-Grundrissgenerierung, Graph Rules und Graph Studio). Der Basic-Tarif hat eine 14-tägige kostenlose Testphase.
Ist Finch 3D DSGVO-konform?
Eingeschränkt. ArchFinch AB sitzt in Schweden (EU), die DSGVO gilt direkt. Allerdings gibt es erhebliche Dokumentationslücken: Die Datenschutzerklärung ist von April 2021 (stark veraltet), es gibt kein öffentliches AVV-Dokument, keinen benannten DSB und keine Angabe zum Serverstandort. Der CPO bestätigte in einem Interview, dass Kundendaten nicht zum KI-Training verwendet werden, aber das steht nicht in den offiziellen Dokumenten. DACH-Büros sollten vor Einsatz einen AVV und eine Serverstandort-Bestätigung anfordern.
Welche Software unterstützt Finch 3D?
Finch 3D hat Plugins für Revit (2023 bis 2026, bidirektionaler Datenfluss), Rhino (6 bis 8, Live-Sync) und Grasshopper. Außerdem gibt es eine Autodesk-Forma-Extension. ArchiCAD wird nur indirekt über den Grasshopper-Umweg unterstützt. SketchUp wird nicht unterstützt. Die Hauptanwendung ist eine Web-App im Browser (app.finch3d.com).
Was ist die Finch Graph-Technologie?
Das Herzstück von Finch 3D ist ein patentiertes graphenbasiertes System, das architektonische Beziehungen zwischen Räumen abbildet. Knoten repräsentieren Räume und Funktionen, Kanten zeigen Nachbarschafts- und Zugänglichkeitsbeziehungen. Der Graph wird automatisch im Hintergrund generiert und steuert die KI bei der Grundrisserzeugung. Anders als reine Parametrik versteht Finch dadurch, dass ein Flur nicht direkt ins Bad und dann ins Schlafzimmer führen sollte.
Für welche Bürogröße eignet sich Finch 3D?
Der Free-Tier und Basic-Tarif (49 €/Monat) richten sich an einzelne Architekten und kleine Büros. Der Enterprise-Tarif (14.500 €/Jahr für 3 Seats) ist für größere Teams konzipiert. Finch ist auf die Frühphase (LP 1 bis 3 nach HOAI) von Wohnbauprojekten spezialisiert und eignet sich nicht für die Ausführungsplanung.
Kann Finch 3D auch für Nichtwohngebäude eingesetzt werden?
Ja. Finch 3D unterstützt laut Anbieter inzwischen vier Typologien: Residential (Wohnungsbau), Office, High-Rise und Master Plan. Der historische Schwerpunkt liegt weiterhin auf Mehrfamilien-Wohnungsbau, dort sind die KI-Modelle am ausgereiftesten. Für Office und High-Rise sind die generativen Features verfügbar, das Featureset entwickelt sich laufend weiter. Master Plan unterstützt städtebauliche Frühphasen-Entwürfe.