Was ist Finch 3D?
Finch 3D ist eine cloud-basierte Web-Applikation des schwedischen Startups ArchFinch AB (Malmö), die als generativer Design-Copilot für den architektonischen Entwurf von Mehrfamilienhäusern dient. Das Tool nutzt eine patentierte Kombination aus generativer KI und graphenbasierter Constraint-Engine, um aus einer importierten Gebäudemasse automatisch Geschossplatten, Wohnungsmixe, Erschließung und im Enterprise-Tier vollständige Grundrisse inklusive Möblierung zu generieren. Echtzeit-Feedback zu Flächenkennzahlen (GFA, NIA, UFA), Tageslicht, CO₂-Fußabdruck und Compliance macht Finch zum datengetriebenen Werkzeug für die Frühphase.
ArchFinch AB wurde 2019 von den Architekten Pamela Nunez Wallgren (CEO) und Jesper Wallgren (CPO) sowie dem Informatiker Martin Kretz (CTO, ex-Sony) gegründet. Jesper Wallgrens Social-Media-Videos von generativ erzeugten Grundrissen gingen viral und wurden in Financial Times, ArchDaily und Dezeen vorgestellt. Über drei Funding-Runden hat Finch ca. 4 Mio. EUR eingeworben (Investoren: Inventure, Ampli Ventures, Almi Invest). Der Umsatz hat sich 2024 verdreifacht, die Warteliste umfasst über 80.000 AEC-Fachleute in über 40 Ländern.
Abgedeckte HOAI-Leistungsphasen: LP 1 (Grundlagenermittlung, teilweise), LP 2 (Vorplanung, Kernbereich) und LP 3 (Entwurfsplanung, teilweise). Für die Ausführungsplanung (LP 5+) ist Finch nicht geeignet.
Für wen ist Finch 3D geeignet?
Zielgruppe sind Architektur- und Planungsbüros, die regelmäßig Wohnungsbauprojekte (Mehrfamilienhäuser) in der Frühphase bearbeiten. Kleine Büros profitieren vom kostenlosen Free-Tier und dem erschwinglichen Basic-Tarif (49 €/Monat). Größere Büros mit Enterprise-Lizenz (14.500 €/Jahr, 3 Seats) erhalten KI-Grundrissgenerierung und können bürospezifische Regeln definieren.
Referenzkunden: Herzog & de Meuron (Basel), White Arkitekter, Gensler, Aedas, Sweco, Schmidt Hammer Lassen. Im DACH-Raum nutzt se·g architekten (Berlin) das Tool aktiv.
Wichtig: Finch ist auf Wohnungsbau spezialisiert. Büros, die primär Gewerbe-, Büro- oder Sonderbauten planen, finden hier keinen Mehrwert. Auch ist die UI ausschließlich auf Englisch. Für DACH-Architekten, die Revit oder Rhino ohnehin auf Englisch nutzen, ist das kein Problem. Für rein deutschsprachige Teams kann es eine Hürde sein.
KI-Funktionen im Detail
Generatives Massing und Geschossplatten
Import einer Gebäudemasse aus Rhino, Revit oder Forma. Finch analysiert die Masse automatisch und schlägt Geschossplatten vor. Der "Floor Plate Generator 2.0" (seit September 2024) optimiert die Aufteilung in Wohneinheiten unter Berücksichtigung von Belichtung, Erschließung und Mindestflächen. Hunderte Varianten in Sekunden statt Stunden.
KI-Unit-Mix und Erschließung (Basic+)
Ab dem Basic-Tier generiert Finch automatisch Wohnungsmixe (Studios, 2-Zimmer, 3-Zimmer etc.) mit passender Erschließung (Treppenhäuser, Korridore, Aufzüge). Die "Adaptive Plan Library" (seit Juli 2024) erzeugt aus einem einzigen gespeicherten Grundriss über 1.000 Varianten, die sich automatisch an neue Gebäudegeometrien anpassen.
KI-Grundrissgenerierung (Enterprise)
Das Enterprise-Kernfeature: Finch generiert vollständige Wohnungsgrundrisse inklusive Raumaufteilung und Möblierung. Die patentierte "Finch Graph"-Technologie bildet räumliche Beziehungen als Graph ab. Knoten = Räume, Kanten = Nachbarschafts-/Zugänglichkeitsbeziehungen. Der Graph steuert die KI, damit sie architektonisch sinnvolle Grundrisse erzeugt.
Graph Rules und Graph Studio (Enterprise)
Seit August 2024 können Enterprise-Nutzer eigene Regeln definieren: Mindestflächengrößen, Barrierefreiheitsanforderungen, Mindestbreiten, firmenspezifische Vorgaben. Stufe 1: Die Regeln fließen direkt in die KI-Generierung ein. Stufe 2: Bei manueller Weiterbearbeitung prüft Finch kontinuierlich die Einhaltung der Regeln in Echtzeit (Continuous Compliance Checking).
Echtzeit-Analysen
Dashboard mit Flächenkennzahlen (GFA, GIA, NIA, UFA), Tageslicht-Simulation (inkl. Daylight Facade Control), CO₂-/Carbon-Footprint-Bewertung, Wohnungsverteilung und Compliance-Prüfung. Im Enterprise-Tier zusätzlich ein Scoring-Feature mit Optimierungsempfehlungen.
BIM-Integrationen
Revit: Plugin für Versionen 2023 bis 2026, bidirektionaler Datenfluss (Upload Massing, Download als native .rvt-Datei mit Wänden, Räumen, Flächenplänen, Families und Möblierung). Rhino: Versionen 6 bis 8, kontinuierlicher bidirektionaler Live-Sync. Grasshopper: Bidirektionale Streaming-Komponente (quasi API-Zugang). Autodesk Forma: Extension für den Export von Gebäuden und Kontext. ArchiCAD: Nur indirekt über den Grasshopper-Umweg.
Export: Native Revit (.rvt), 2D/3D nach Rhino, Grasshopper-Daten, CSV (Statistiken), PNG. Kein direkter IFC- oder DWG-Export aus Finch (über Revit/Rhino nachgelagert möglich).
Preise
Alle Preise netto zzgl. MwSt.
| Tarif | Preis | Generative Features | BIM-Integration | Support |
|---|---|---|---|---|
| Free | 0 € (dauerhaft) | Manuelle Editiertools, Plan Library | Alle Plugins | Community |
| Basic | 49 €/Monat | Unit-Mix, Erschließung, Floor Plate Generator | Alle Plugins | Standard |
| Enterprise | 14.500 €/Jahr (3 Seats) | KI-Grundrisse, Graph Rules, Graph Studio, Scoring | Alle Plugins + Custom | Premium |
14-Tage-Testphase für den Basic-Tarif. Keine Bildungslizenzen dokumentiert. Keine Mengenrabatte öffentlich kommuniziert.
Im Vergleich: Phase0 (Architekten-Bürosoftware) kostet ab 80 €/Nutzer/Mo. Veras (KI-Visualisierung) ab ca. 134 €/Jahr. Autodesk Forma (Städtebau-KI) ab ca. 185 $/Monat. Finch positioniert sich mit dem Free-Tier als niedrigschwelligster Einstieg in KI-gestütztes generatives Design.
Datenschutz & Sicherheit
ArchFinch AB hat seinen Sitz in Malmö, Schweden. Als EU-Mitgliedstaat gilt die DSGVO direkt und unmittelbar. Die zuständige Aufsichtsbehörde ist die schwedische Integritetsskyddsmyndigheten (IMY). Für Datenübertragungen innerhalb der EU/des EWR sind keine Standardvertragsklauseln erforderlich.
Allerdings gibt es erhebliche Transparenzlücken:
- Die Datenschutzerklärung wurde zuletzt im April 2021 aktualisiert und ist damit über vier Jahre alt. Wesentliche DSGVO-Anforderungen (Auftragsverarbeiter-Liste, spezifische Rechtsgrundlagen nach Art. 6, Aufbewahrungsfristen) fehlen.
- Ein AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) nach Art. 28 DSGVO ist weder auf der Website verfügbar noch wird er erwähnt.
- Der konkrete Serverstandort wird nirgends angegeben. Aus der Karriereseite lässt sich AWS als Cloud-Provider ableiten, die Region (EU oder anderswo) bleibt unklar.
- Kein Datenschutzbeauftragter wird namentlich benannt. Keine Sicherheitszertifizierungen (ISO 27001, SOC 2) dokumentiert.
- CPO Jesper Wallgren bestätigte in einem AEC-Magazine-Interview: Kundenpläne werden nicht für das allgemeine KI-Training verwendet. Diese Zusage ist aber nicht in den offiziellen Datenschutzdokumenten verankert.
Fazit
Finch 3D ist das technologisch am weitesten fortgeschrittene Tool für KI-gestützte Grundrissplanung von Wohngebäuden. Die patentierte Graph-Technologie, die tiefe BIM-Integration (Revit, Rhino, Grasshopper) und das datengetriebene Echtzeit-Feedback heben es klar von Mitbewerbern wie TestFit, ARCHITEChTURES oder Maket ab. Mit einem dauerhaft kostenlosen Free-Tier und einem Basic-Tarif ab 49 €/Monat ist der Einstieg niedrigschwellig.
Für DACH-Büros gibt es drei wesentliche Einschränkungen: Die fehlende deutsche Lokalisierung (UI und Support nur auf Englisch), die anglo-amerikanisch geprägten Grundriss-Typologien und die erheblichen DSGVO-Dokumentationslücken. Wer regelmäßig Wohnungsbauprojekte in der Frühphase bearbeitet, Revit oder Rhino nutzt und mit englischsprachigen Tools arbeiten kann, sollte den 14-tägigen Trial testen. Vor dem Einsatz mit sensiblen Projektdaten unbedingt den Datenschutz schriftlich klären.
Hinweis: Alle Angaben basieren auf eigener Recherche (Stand: März 2026). Preise, Funktionen und Datenschutzbedingungen können sich jederzeit ändern. Keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit. Dieser Artikel stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Siehst du einen Fehler? Schreib uns.